Für Schappo
Werner Liss
1957 - 2007
Am 9. Februar 2007 hast du dich,
geliebter Freund und Gefährte,
entschlossen den Freitod zu wählen.
Ich respektiere deine Entscheidung,
der Schmerz verbietet mir jedoch auf
ewig dies auch zu akzeptieren.
„An der Kante des Lebens ist loslassen manchmal einfacher als sich festzukrallen“
sagte ein Schweizer Schriftsteller.
Ich möchte diese Entscheidung als Freund respektieren, so schwer es mir auch fällt – akzeptieren jedoch werde ich es nie. Dazu ist der Schmerz einfach zu gross, das hat er sicher nicht bedacht.
Ich frage mich – warum? – warum verlässt dich dein bester Freund und lässt dich sprach- und ratlos zurück?
Ich frage mich – bin ich zu spät gekommen, hätte ich es verhindern können, gab es Zeichen, die ich übersehen habe?
Ich frage mich – was machte ihn so unglücklich, so verzweifelt und hoffnungslos?
Ich war doch sein Freund, ich kannte ihn doch, weit über 30 Jahre lang waren wir Freunde, da kennt man doch einen Menschen.
Es war eine bittere Erkenntnis dass dem nicht so ist. Und es war noch bitterer ein paar Wochen vor seinem Tod zum ersten Mal von ihm zu hören: „Es geht mir nicht gut“ und ich konnte ihm nicht mehr helfen.
So war er eben – mit Freunden hat man Spass - Sex, Drugs and Rock’n Roll war angesagt. Probleme sind was für alte Weiber, „hope I die before I get old“ sangen wir mit den Who den Summertimeblues.
Und so erinnere ich mich – wie er in Jeans und Parka mit wehender, langer Mähne auf seinem Quickly durch Tuttlingen gurkte
Ich erinnere mich – an Tage und Nächte, irgendwo draussen in den Wäldern rund um Tuttlingen wo wir die Welt verbessert haben
Ich erinnere mich – seine ewigen Baustellen in den Bauernhäusern der Umgegend. Er konnte nirgendwo einziehen ohne gleich einen Totalumbau vorzunehmen
Ich erinnere mich – sein orange-grüner Mercedes-Bus der als Wohnmobil umgebaut wurde, sogar bis nach Indien wollte er damals fahren, der grosse Traum von uns allen zu jener Zeit, er schaffte es immerhin bis nach Marokko und zurück
Ich erinnere mich – sein erstes Gastronomieprojekt, das Passé in Spaichingen zusammen mit Don, seine weiteren Projekte mit dem PassePartout in Sipplingen und dann in Tuttlingen der Rittergarten, zum Ende die Rose in Esslingen
Ich erinnere mich – wenn bei uns in München auf einmal ein Motorrad vor dem Haus tuckerte, da kam er an und war "Offiziell" mal wieder kurz verschwunden, er brauchte ab und zu diese Aktionen – zur grossen Freude von mir
Ich erinnere mich – wie er hinter der Theke steht, mit seinem breiten Lachen im Gesicht, seine Bühne, sein Showgeschäft - er war Wirt mit Leib und Seele
So werde ich ihn schlussendlich auch im Gedächtnis behalten auch wenn ich weiss dass er leider irgendwann vergessen hat, dass es die Show und das Geschäft gibt, auch wenn ich weiss dass er in den letzten Wochen oft ein anderer Mensch war.
Und das wollte er auch, er wollte dass wir uns an ihn als den liebenswerten Menschen und guten, treuen Freund erinnern der er ja auch immer war.
Sein Entschluss reifte in den letzten Tagen vor seiner Entscheidung, die er dann überlegt und vorbereitet traf. Diese Erkenntnis wird mich von Vorwürfen oder Schuldgefühlen hoffentlich befreien und ich denke dies sollte auch für alle gelten denen es ähnlich geht. Respektieren wir also seine Entscheidung und nehmen sie vielleicht als ein Zeichen mit uns in unsere Beziehungen und Freundschaften um uns selbst zu hinterfragen:
"Kennen wir uns eigentlich wirklich so gut wie wir glauben?"
So sag ich dir nun Servus und Ciao und wünsch dir wo immer du bist, dass es dir endlich richtig gut geht.
Ich werd dich nie vergessen mein Freund
Hamster (Uli)
